TECH #5 – Gib Gummi!

TECH Titelbild Ein äusserst entscheidendes Thema bei jedem Fahrzeug, sei es auf der Strasse oder der Rennstrecke, ist der Reifen. Einzig die Auflagefläche des Reifens verbindet das Fahrzeug mit der Strasse, somit entscheidet eine Auflagefläche von ca. vier A4 Seiten über so einiges. Daher wollen wir euch diesbezüglich einige Details und unsere Erfahrungen nicht vorenthalten.

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Grundsätzlich kann zwischen 3 verschiedenen Arten von Reifen unterschieden werden, welche sich in ihrem Verwendungszweck und auch in ihren Eigenschaften teilweise stark unterscheiden. Einerseits der normale PKW Reifen welcher primär dem alltäglichen Gebrauch dient. Die nächste und sportlichere Stufe ist der Semi Slick. Dieser verfügt einerseits über weniger Negativprofil und kann mit einem anderen Aufbau und verschieden harten Mischung punkten. Das höchste der Gefühle ist natürlich der Profillose Rennreifen, der Slick, welcher optimal auf die Anforderungen der Rennstrecke getrimmt ist. Doch alles der Reihe nach:

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Normaler Strassenreifen Das Ziel hier ist ganz klar das optimale absolvieren möglichst vieler Kilometer mit angemessenem Verschleiss aber auch guter Sportlichkeit. Da es sich hier primär um einen Reifen passend auf die verschiedensten Anforderungen handelt, ist auch die Bandbreite an Produkten äusserst vielfältig. Unterschiede im Grip-Niveau auf trockener Strasse oder auch bei Nässe werden durch unzählige verschiedene Reifen und Marken komplett abgedeckt. Zudem bestehen je nach Fahrzeug-Kategorie, Antriebs-Art des Autos oder Vorlieben des Lenker teils sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Wir konzentrieren uns aber in erster Linie auf die sportlichen Derivate. Oft zeichnen sich diese durch andere Profile von ihren Brüdern ab und evtl. leicht unterscheidenden Gummi Mischungen, der Aufbau ist aber grundsätzlich identisch. Bezüglich sportlichen Strassenreifen fällt heutzutage oft der Begriff UHP, welcher für Ultra High Performance steht und somit den sportlichsten der sportlichen Strassenreifen vorbehalten ist. Ein Beispiel hierfür ist der Bridgestone Adrenalin welcher die letzte Stufe vor dem richtigen Semi Slick RE 55S darstellt. Ein Strassenreifen verfügt über deutlich mehr Negativ Profil, welches dazu führt, dass der Reifen weniger Auflagefläche und Grip hat. Der grösste Nachteil an Strassenreifen und bis zu einem bestimmten Grad auch von UHPs ist, dass diese nicht für konstante Belastung konzipiert sind. Ein Strassenreifen muss seinen optimalen Grip bereits im kalten Zustand zur Verfügung stellen, und hat somit im oberen Temperatur Bereich Schwächen, welche sich oft nach wenigen Runden auf der Rennstrecke zeigen. Oftmals stellt sich ein "schwammiges" Fahrgefühl ein. Wird der Reifen trotzdem weiterhin stark belastet, kann er sich in kürzester Zeit in seine Bestandteile auflösen. Für den öffentlichen Verkehr  bleiben sie aber weiterhin die erste Wahl. T05 - Semi Semi Slick Die nächste Stufe ist der Semi Slick der sich deutlich vom normalen Strassenreifen abhebt. Einerseits ist der Anteil des negativen Profils deutlich geringer als bei einem normalen Strassenreifen, andererseits ist die Konstruktion klar auf ein Ziel nämlich die Sportlichkeit ausgerichtet. Der Semi Slick ist zwar weiterhin im öffentlichen Verkehr zugelassen, die Verwendung dessen in diesem ist aber nur bedingt zu empfehlen. Einerseits sind die Nass Eigenschaften der Semis aufgrund des sportlicheren Profils deutlich geringer, da beispielsweise zum Teil Längsrillen sowie durchgehende V-förmige Abflussrillen fehlen. Hinzu kommt, dass die Profiltiefe von Semis oft deutlich geringer ausfällt als bei einem normalen Standardreifen. Die Nachteile werden aber ganz klar von den Vorteile ausgestochen. Ist ein Semi Slick erstmals warm gefahren, kann dieser über mehrere Runden hinweg am Limit bewegt werden, ohne ins bekannte schmieren von UHPs überzugehen. Der Reifen benötigt eine gewisse Wärme und zeigt auch erst dann sein optimales Potential. Hier ist auch äussert wichtig das der Reifen mit anderen Luftdrücken gefahren wird als ein Strassenreifen. Der Luftdruck wird daher vom kalten in den warmen Zustand um einiges steigen (0.5 bis 0.8bar) und sollte daher auch entsprechend kontrolliert werden. Ziel ist es mit dem passenden Luftdruck die optimale Auflage des Latschs, also der Reifenfläche zu erreichen. Die Vorgaben der Hersteller sind hierfür als Grundempfehlung zu sehen. Auch beeinflussen Einstellungen wie Sturz sowie Spur die Funktionalität des Reifens extrem und benötigen beim Umstieg von Strassen Reifen auf Semis grundsätzlich immer Anpassungen um seine Vorteile aus zuspielen. Der Semi kann seine Vorteile welche z.B. aus dem geänderten Aufbau der Flanke stammen erst dann optimal ausspielen und bereitet dann ein um einiges höhere Potential als der klassische Strassenreifen. Er ist somit die beste Wahl für Leute welche sich regelmässig an Trackdays bewegen und auch über mehrere Runden hinweg Spass haben wollen! Die Langlebigkeit hängt auch hier grösstenteils von der Belastung sowie den vorerwähnten passenden Reifendrücken ab. Oftmals wird dieser Reifen auch auf Fahrzeugen verwendet, welche zu wenig Platz bieten um zusätzliche Felgen/Reifen transportieren zu können. Man könnte den Semi Slick insgesamt auch als die "Eierlegende Wollmilchsau" betiteln. T05 - Slick Slick Von allem Mehr kann schlussendlich nur noch der Slick. Das heisst seine Eigenschaften im Regen sind noch einmal schlechter resp. gar nicht vorhanden, dafür ist der Slick im Trockenen umso besser. Da er über gar kein Profil mehr verfügt, liegt der Reifen ohne Unterbruch auf und bietet somit den bestmöglichen Grip. Eine Zulassung für die Strasse steht natürlich ausser Frage, aber das dürfte ja wohl klar sein 😉 Da eben die hier auch beim Semi Slick noch einschränkenden Vorgaben nun ausser Acht gelassen werden können, kann so ein Reifen entwickelt werden der nur einem Zweck dient. Praktisch endlosem Grip und hohen Belastungen. Oft werden Reifen spezifisch für Fahrzeuge oder Serien entwickelt um so möglichst präzise die Anforderungen und die Rahmenbedingungen wie z.B. Länge der Rennen oder Gewicht der Fahrzeuge zu reflektieren. Auch hier spielt natürlich die Temperatur des Reifens eine entscheidende Rolle und verhält sich ähnlich wie beim Semi Slick. Erst bei einer hohen Temperatur  (ca. 80-120 Grad) läuft der Reifen zu seiner Höchstform auf. Wobei auch der Slick eine Obergrenze besitzt und danach einen rapiden Leistungsabfall zeigt. Also kann auch dieser Reifen "überfahren" werden. Auch ist zu berücksichtigen das der Grip zwar noch einmal höher ausfällt, der Grenzbereich aber noch einmal schmaler wird. Der Haftungsabriss erfolgt bei Slicks oft äusserst rapide und ohne grosse Vorwarnungen. Einige mögen nun denken das der Unterschied zwischen einem Semi Slick und einem richtigen Slick nicht wirklich gross sein kann. Einige eher kleinere Tests haben aber bewiesen, dass der Vorteil eines Slicks auf einer eher kurzen Strecke durchaus 2 Sekunden oder mehr beträgt. Der Unterschied fällt daher definitiv ins Gewicht und wer auf der Suche nach der Bestzeit ist, sollte evtl. eher einen Umstieg auf Slicks in Betracht ziehen (soweit vom Reglement erlaubt) bevor zuviel anderswo investiert wird.T05 - Slick 3 Übrigens wer sich schon einmal gefragt hat wie der Verschleiss bei Slicks gemessen wird, da ja keine Rillen etc. vorhanden sind, soll das Bild auf der rechten Seite genau studieren. Verteilt auf der Lauffläche sind jeweils kleine Vertiefungen, welche den Verschleiss anzeigen. Bei Regen gibt es dann noch den Regenslick, der aufgrund seines Profils aber auch seiner sehr spezifischen Mischung für sehr nasse Verhältnisse konzipiert ist und jeden anderen Reifen meilenweit aussticht. Wissenswert ist auch das Slicks anders beschriftet oder definiert sind bezüglich ihrer Dimensionen. Hier gibt es je nach Hersteller verschiedene Herangehensweisen: Yokohama - 210 / 620 R17 210 = Reifenbreite in mm 620 = Außendurchmesser in mm R = Radialreifen 17 = Nenndurchmesser der Felge in Zoll Avon - 6.6/19.5 x 14 6.6= Reifenbreite in Zoll sprich 16.8cm 19.5= Der Durchmesser von 49.53cm 14= Den Felgendruchmesser in Zoll Der Slick ist somit sicherlich die ultimative Reifenwahl, ist aber auch mit einem klar höheren Preis (ca. CHF 1200.-- aufwärts für einen Satz in 15 Zoll) und und einem je nach Mischung unterschiedlichen schnellen Abnutzung behaftet (kleines Wortspiel 😉 ). T05 - Slick 2

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